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Klaus Keilhauer, E-Mail: kkautor@yahoo.com

Leseprobe

Aus dem 1. Kapitel:  Panamá-Papers

Beim Verlassen des Flughafens erwartete mich die übliche, sehr hohe Luftfeuchtigkeit und eine enorme Temperatur. Ein Taxi brachte mich in die Innenstadt. Mein auserwähltes Hotel lag an der Küste, unweit eines bekannten Shopping-Centers. Die günstige Lage sollte es ermöglichen, die erforderlichen Wege zu Fuß zu bestreiten, da der Straßenverkehr meist in Bewegungs-losigkeit verharrte. Mein geräumiges Zimmer in einem der oberen Stockwerke bot eine gute Aussicht über den Pazifik in Richtung Altstadt, die in einiger Entfernung ins Meer ragte. Man hatte dort begonnen die baufälligen Häuser zu sanieren. Die ersten schönen Restaurants waren entstanden und kündigten einen Neubeginn des sehr schwierigen, armen Wohnviertels an. Ich räumte meinen Koffer aus und erledigte nach einer wohltuenden Dusche die ersten Wege. Eine Woche hatte ich zur Abwicklung aller Formalitäten vorgesehen.

Als erstes stattete ich dem Mieter meiner Eigentumswohnung einen Besuch ab. Ich hatte ihn bereits per E-Mail über meine Ankunft informiert. Er war einige Mieten im Rückstand. So wollte ich meinen Aufenthalt hier in Zentralamerika auch nutzen, um diese Angelegenheit zu regeln. Doch ging es in erster Linie um die Gründung einer Offshore-Gesellschaft, die als Arbeitgeber  Gehaltszahlungen für mich tätigen sollte. Das wiederum sollte die Grundlage für Kreditgespräche mit der auserwählten BAWAG-Bank werden, die sich sicherlich über einen Neukunden freuen würde. Viele Kunden hatten ihr Geld abgehoben und ihre Konten aufgelöst. Das Vertrauen in die krisengeschüttelte Bank war zerbrochen.

Ich machte mich auf den Weg ins Bankenviertel. Unweit davon lag meine bereits verkaufte Wohnung. Ich war gespannt, wie ihr Zustand sein würde. Benny öffnete die untere Hauseingangstür. Mit dem Lift fuhr ich in den fünften Stock. Es begrüßten mich sein Sohn Juan, Alicia, seine Ehefrau, und schließlich Benny, das Familienoberhaupt. Erfreulicherweise war das Appartement im guten Zustand. Der große Teakholztisch, den ich mit den anderen Möbeln und Gegenstände aus meinem Büro in Dubai auf ein Schiff verfrachten ließ, leistete auch hier gute Dienste. Wir nahmen Platz und freuten uns, trotz des ernsten Gesprächsthemas, über unser Wiedersehen. Juan übersetzte meine Ausführungen vom Englischen ins Spanische. Das war sehr hilfreich, da meine kleinen Spanischkenntnisse durch den Aufenthalt in Südafrika und Europa praktisch vergessen waren. Irgendwie hatte ich die kolumbianische Familie von Anfang an in mein Herz geschlossen. Der dickliche Benny strahlte eine angenehme Ruhe aus, während seine hochgewachsene, schlanke Ehefrau stets elegant gekleidet war und vor allem immer positiv wirkte. Sie servierte uns guten Kaffee aus Kolumbien, das nicht nur für Kokain bekannt ist, sondern auch als dritt größter Kaffeeproduzent der Welt eine bedeutende Rolle spielt.

Ich schnitt nun das unangenehme Thema der ausstehenden Mietzahlungen an. Benny war darauf gut vorbereitet und hatte auch schon entsprechende Unterlagen vorbereitet. Er erklärte die Mietschulden mit Verzögerungen im Zahlungsbereich für seine bereits abgewickelten Geschäfte. Er wartete angeblich selbst seit einiger Zeit auf ausstehende Zahlungen seiner umfangreichen Geschäftstätigkeiten, was er mit den zahlreichen Unterlagen und Dokumenten darlegte.  Juan versuchte mir die spanischen Schriftstücke durch seine Übersetzung zu erklären. Es ging um Immobiliengeschäfte in verschiedenen Ländern. Ich wusste von meinem Besuch in Kolumbien bei Andi, dem zweiten Sohn von Benny und Alicia, dass Benny früher als Architekt ein erfolgreicher Geschäftsmann in den USA war. Jetzt schien er wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen. So schlug er mir sogar den Kauf meiner Wohnung vor. Das nahm ich erfreut zur Kenntnis, da ich damit das Problem einer inzwischen weit entfernten und schwierig zu verwaltenden Mietwohnung los werden würde. Ich versprach Benny, mir Gedanken über einen realistischen Preis zu machen. Wir vereinbarten einen neuen Gesprächstermin für den nächsten Tag.

Ich suchte die Anwaltskanzlei auf, die ich bei meinem ersten Aufenthalt in Panamá bereits kennengelernt hatte. Sie waren auf die Gründung von Offshore-Gesellschaften spezialisiert und erledigten die Formalitäten bei den Behörden zügig. Zudem war mit den zuständigen Personen eine Verständigung in englischer Sprache möglich. Das erleichterte die Sache erheblich. Nach einer kurzen Wartezeit konnte ich das Anliegen einer zu gründenden Gesellschaft vortragen. Es gab dabei verschiedene Kostenmodelle und Gesellschaftsformen. Die Anwälte waren natürlich in erster Linie an laufenden Einnahmen interessiert, die durch eine Firmenadresse bei der Kanzlei zum Tragen kommen würden. Eine dort gegründete Gesellschaft oder Stiftung ist in Panamá steuerpflichtig. Der Betrag ist einmal im Jahr fällig und die Höhe der Steuerzahlung ist pauschal festgelegt. Sie erhöht sich jedes Jahr. Damals betrug die jährliche Steuer um die 300 US-Dollar. Bei über 500.000 registrierten Gesellschaften kommt damit für das kleine Land eine nette Summe zusammen.

Der Anwalt benötigte von mir den gewünschten Namen der Gesellschaft, der aus drei oder vier Buchstaben bestehen sollte. Darüber hatte ich mir bereits Gedanken gemacht. Ich nannte ihm die Buchstabenreihe OPEC. Das erinnert an die bekannte Erdöl-Organisation mit Sitz in Wien. Das war auch der Sinn der Sache. Der Anwalt akzeptierte die Benennung der Gesellschaft und erläuterte die weitere Vorgehensweise.